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Drummer Summer Night 2000
24.6.2000/Hülben
 
 

 
Erdbeben auf der schwäbischen Alb

Am 24. Juni 2000 gab es geballte, drei Stunden lange Trommel-Power in der Rietenlauhalle in Hülben. Trotz laufender Fußball-Weltmeisterschaft und eher (unter-) durchschnittlichem Wetter war der Besuch der Veranstaltung in der hübschen, akustisch guten Mehrzweckhalle wirklich beeindruckend. Über 450 Trommelbegeisterte fanden den Weg zu der "Drummer Summer Night". Realisiert und organisiert wurde das Ganze - wie im Übrigen die "Super Drumming" Veranstaltung von vor zwei Jahren ebenso - von Joachim Fuchs-Charrier, mit tatkräftiger Unterstützung vom Musikhaus Beck in Dettingen, das den Event mit einer großen Drumset- und Trommel-Ausstellung und viel Information begleitete, sowie von den Firmen Gewa, Meinl und Yamaha. Zur Grundlage dieser Veranstaltung diente die ursprüngliche Idee von Joachim Fuchs-Charrier, eine Trommel-Band mit Namen "4 Drummer's Drumming" auf die Beine zu stellen. Wie so oft aber gab es bei dem ein oder anderen Terminschwierigkeiten und so gestalteten fünf Trommler aus Deutschland an diesem Abend gemeinsam das lange, aber abwechslungsreiche Programm: Uhuru, Joachim Fuchs-Charrier, Michael Küttner, Hakim Ludin und Manni von Bohr sorgten dafür, dass aus "Getrommel" nicht nur "Schneller, Weiter, Höher" und "Krach" wurde, sondern richtige Musik, Atmosphäre, Klang, Kontrast, Melodie und Form, Komposition und Kunst. Denn kunstreich war die Mischung durchaus, besonders interessant durch die gelungene Zusammenstellung der Musiker, die gerade durch ihre Verschiedenartigkeit letztendlich ein Ganzes zu bilden vermochten. Richtig spannend war es zu beobachten, wie sich die persönlichen Eigenarten jedes einzelnen Musikers mit denen der anderen mischten und verzahnten, jeder etwas Besonderes auf seinem Gebiet, und doch ein harmonisches Miteinander, nie gegeneinander und nie gleichgeschaltet. Ausgezeichnet wurden die Aktionen auf der Bühne durch sensibles Hören, aufeinander Eingehen und viel Spielfreude, zumal alle fünf zusammen noch nie eine Bühne miteinander geteilt hatte. Solo-, Duo- und Tutti-Kombinationen wurden durch die hohe Kunst der Improvisation ergänzt - und darin waren sie alle Meister. Das Publikum ließ sich gerne von der Spannung und der Lebhaftigkeit mitreißen.


Eröffnet wurde das Programm mit einem groovy-funky Song mit Rap-Text von Joachim: "Ich bin der Drum-Drum-Drummer", dem ein atmosphärisch-spannender "Leopard Walk" von Michael Küttner folgte. Das erste Solo des Abends bestritt Uhuru, der dem traditionellen afrikanischen Trommeln verwandte Solokompositionen zu Gehör brachte. Uhurus Setup ist einem traditionellen Djembé-Ensemble nachempfunden und vereint mehrere Basstrommeln, Begleit-Djembés, Glocken, Becken eine Solo-Djembé und mitunter noch eine Kürbisrassel. Die Begleitfiguren der Basstrommeln und Djembén spielt Uhuru auf mehreren Pedalen mit seinen Füßen, damit die Hände frei sind für die Solo-Figuren, und auch der Kopf muss mitspielen, wenn keine Hand oder kein Fuß mehr frei ist. Eine wahnsinnige Koordination übrigens, die begleitenden Djembé-Figuren mit den Füßen (wobei die Djembén wie Bassdrums aufgebaut sind) zu spielen. Auf diese Weise kann Uhuru mit faszinierender Koordination und phantasievollen Lösungen in der Instrumentation die komplexe Vielschichtigkeit traditioneller afrikanischer Rhythmen als "One-Man-Band" darstellen. Nach einem Duo von Uhuru und Joachim Fuchs-Charrier folgte ein furioses Solo von Joachim, ein wahres Bilderbuch von Grooves, Fills und (Hacke/Spitze) Bassdrum-Rolls auf klassisch-jazzig-rockigem Hintergrund mit sehr hohem technischen Niveau, ausgeführt auf einem bemerkenswert kleinen Kit (drei Toms, Snare, Bassdrum, Doppelfußmaschine, Cymbals). Danach spielte Michael Küttner ein inspirierendes Solo, das modernes Jazzdrumming mit starken afrikanischen Einflüssen (und "instrumentalem" Gesang) sowie interessanten Fuß-Ostinato Figuren verband. Den Abschluss der ersten Konzerthälfte machte ein schönes, energiereiches Tutti im 6/8 Groove, wobei sich die jeweiligen Solisten auf dem Rhythmusteppich der anderen Mitspieler frei entfalten konnten. Die zweite Hälfte des Konzertes eröffnete ein Duo von Michael Küttner und Joachim Fuchs-Charrier, für das Michael extra sein Yamaha Hip-Gig-Set mitgebracht hatte. Ein Frage- und Antwortspiel von Jazz bis Funk und Rock begeisterte die Zuhörer. Danach spielten sich in einer Ethno-Improvisation Joachim und Uhuru die Bälle zu. In die weite, eher sphärische Welt der Percussion entführte den Zuhörer die nächste solistische Darbietung, gespielt von Hakim Ludin auf seiner Pandriq, einem von ihm neu entwickelten Instrument, das die Eigenschaften von Pandeiro und Riq vereint. Genau wie die Ursprünge des Instrumentes ist auch die hohe Trommelkunst Hakims von vielen Traditionen und Einflüssen bestimmt. In seinem eigenständigen Spiel finden sich sowohl afghanisch-indische Traditionen wie Latin-Klangfarben wieder, keltische Techniken werden mit arabischen Rhythmen verfeinert, klassische Komposition mit Improvisation vervollständigt. Sein Spiel ist immer reich an Klangfarben, auch wenn er nur eine einzige Trommel spielt.


Weiter ging es im Programm mit "African Call", eine von der afrikanischen Burundi-Tradition inspirierte Komposition von Manni von Bohr, zu hören auf seiner Solo-CD "Mannifest", musiziert als ein im Chor gespieltes Tutti-Stück. Danach folgten groovige wie solistische Abschnitte des Drum/Percussion-Duo Programms von Manni und Hakim mit einem brillanten Bongo-Solo von Hakim. Bei Mannis Set denken viele, "Drum-Set" ist eigentlich ein Schreibfehler und es müsste "Dream-Set" heißen. Sein Drumming gab die richtigen Antworten auf Hakims Vorlagen oder groovte tanzbar mit Hakim zusammen. Manni's Spiel, reich an Klangfarben und Melodien, vereinten in einer letzten Solo-Passage Energie und Harmonie, ein von Rock bis Fusion inspiriertes Solodrumming (z.T. mit 2 Doppelpedalen für die 2 Bassdrums) mit Traum-Sound. Gegen Ende des Konzertes entwickelte sich auf der Bühne eine Konversation aller Musiker untereinander, die sich bis zum Finale steigerte. Und was sie sagten, war für alle verständlich: Trommler können Musik machen! Das Publikum wollte nach frenetischem Applaus eine Zugabe, welche in Form einer feurigen Samba den Abend beschloss. Den Leuten hatte es offensichtlich so viel Spaß gemacht, wie auch den beteiligten Musikern. Uns eins steht fest: es wird nicht die letzte "Drummer Summer Night" gewesen sein!


Brigitte Volkert, drums & percussion, 5/2000
 

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