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Erstes Dettinger Percussion-Festival
10.6.1995, Dettingen, Schillerhalle
 
 

 
Rhythmische Gestaltungskraft mit wilden Wirbeln an den Trommeln

Dank des umtriebigen Metzinger Schlagzeuglehrers Joachim Fuchs-Charrier und des Dettinger Musikfachgeschäfts Beck wurde vergangenen Samstagabend in der Schillerhalle das erste Dettinger Percussion-Festival aus der Taufe gehoben. Rock, Funk, Afro und Jazz wurde auf dem Plakat versprochen, gespielt auf westlichen und afrikanischen Schlaginstrumenten. Als special guest war der bestbekannte Jazz-Schlagzeuger Charly Antolini eingeladen. Er mochte wohl auch entscheidend dazu beigetragen haben, dass die Turnhalle ausverkauft war und die Veranstaltung zu einem Erfolg geriet. Den Auftakt gestaltete das von Joachim Fuchs-Charrier angeführte neunköpfige Metzinger Percussion-Ensemble, die sich auf afrikanische Musik aus Senegal und Guinea spezialisiert haben. Drei verschieden große tiefe Trommeln - Doundounba, Sangba und Kenkeni - bilden eine rhythmische Grundmelodie, zu der zwei große Vasentrommeln sich gesellen, so genannte Djembés, die eine solistisch und die andere begleitend eingesetzt. Aufgestockt wurde dieses Ensemble noch durch Kongas, Timbales, Rasseln und Agogo. Fasziniert hörte sich das Publikum in die exotische Percussion-Welt ein und verfolgte aufmerksam die wechselnden, rondoartig angeordneten Einlagen der Solisten. Als dann auch noch Ursula Branscheid und Ursula Hallmann im Stile der Afrikanerinnen zu tanzen anfingen, wurden die polyrhythmischen Trommelmelodien sichtbar abgerundet. Ebenso archaisch muteten die Basler Marschmelodien "Arabi" und "Dudelsack" an, die der Mainzer Klaus-Georg Fuchs und Joachim Fuchs-Charrier auf großen Trommeln im bemerkenswerten gleichgeschlagenen Unisono mit allen Verzierungen zum Erklingen brachten. Charly Antolini, der allseits bekannte Jazz-Schlagzeuger, der alle Spielarten des Jazz von Bebop bis Mainstream und von Swing bis Latin kennt, bestach vor allem durch seine überragende virtuose Schlagtechnik, die er an einem Stücklein auf der kleinen Trommel und in einer groß angelegten Improvisation auf dem Drum Set vor staunenden Augen vorführte. Immer wieder baute er neue, sich steigernde Schlagzeugmelodien auf, steigerte High Hat und Pauke, erfand spannende Beckenmelodien und entlud ekstatisch seine rhythmische Gestaltungskraft mit wilden akzentuierten Wirbeln an den Trommeln. Joachim Fuchs-Charrier entfaltete sich selbst solistisch mit der gelungenen Improvisation "Impression for Percussion" an klassischen, melodiebildenden Schlaginstrumenten wie Röhrenglocken, Tempelblocks, Bongos, Pauken und Xylophon. Hier bildete er geschickt kombinierte, einfallsreiche Melodien zwischen den Instrumenten und begeisterte durch die verzweigte rhythmische Ausgestaltung seiner Einfälle.



Der absolute Höhepunkt des 1. Percussionfestivals bildeten zum Schluss das Duett Antolini/Fuchs-Charrier, die nach alter barocker, wetteifernder Manier auf zwei gewöhnlichen Schlagzeugsets im "Swingtime" mit- und gegeneinander "concertierten". Des einen Einfallsreichtum wurde durch des anderen Virtuosität ergänzt und beide steigerten sich in einer dreiteiligen Improvisation von einem "Adagio ma non troppo" über ein "Allegro un poco piu vivo" in ein "Presto con molto munitione" wie Charly Antolini hinterher kommentierte. Schweißgebadet forderte das rasende Publikum von den beiden Stick-Helden noch weitere Taten. Der Virtuosen Bescheidenheit gab diesen Wunsch an die drei "afrikanischen" Trommler aus dem Metzinger Percussion-Ensemble weiter. Der Stuttgarter Rainer Dörrer und Riedericher Raimar Heldsdörfer spannten sich noch einmal hinter ihre Djembés und der Frankfurter Andreas Schütz hinter die Kongas. Hier konnten die drei noch einmal ihre ganze rhythmische Kunst zeigen, die sie zuvor schon in beachtlichem Umfang innerhalb des ganzen Percussion-Ensembles entwickelt haben. Und als Charly Antolini sich zu diesem Trio nochmals ans Schlagzeug setzte und mittrommelte, vertiefte er seinen Ruf, dass er mit allen Stilen vertraut sei. Der Erfolg dieser einmaligen reinen Percussion-Veranstaltung in Dettingen weckt den Wunsch, diese Reihe (in zweijährigem Rhythmus?) fortzusetzen. Charly Antolini jedenfalls hat bereits seine weitere Teilnahme signalisiert. Wenn das kein gutes Zeichen ist...!


Patrick Tröster, Alb-Neckar-Zeitung, 13.6.1995
 

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