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Quintessence

Natürlich ist er ein Ausnahme-Drummer und einer der wenigen, die sich dem Thema Schlagzeug und Rhythmus in der kreativen Erforschung eines unendlichen Mikrokosmos widmen. Mit Quintessence lässt Joachim Fuchs-Charrier seine 20jährige Erfahrung in Sachen spieltechnischer Entwicklung und stilistischer Interpretation noch einmal Revue passieren. Das gut 60minütige Video ist äußerst anspruchsvoll und zeigt noch einmal wichtige Eckpfeiler und Entdeckungen der "fuchsschen" Abenteuer. Abwechselnde Kameraführungen aus der Vogel- und Froschperspektive plus paralleler Fußpedal Close-Ups lassen den Betrachter zumindest optisch das mitverfolgen, was musikalisch in geradezu atemberaubender Weise abgeht. Schwerpunkte des Videos sind in erster Linie solistische Darstellungen, in denen Joachims technische Tricks untergebracht sind. Zum Zuge kommen insbesondere die Snap-Up-Technik für "schwindelerregende" Wirbel/Rolls, ebenso die "Rocking-Motion"-Technik, mit der es möglich ist, die Rudiments auf die Pedalarbeit zu übertragen. Besonders gelungen ist eine spannende HiHat-Spielweise auf drei HiHats, die von der Form her ein wenig an einen "Steve Gadd Approach" erinnert, jedoch - für Fuchs typisch - im "Colibri-Tempo" zum Besten gegeben wird. Bekannt ist Joachims besondere Affinität zu ethnischen Rhythmen, die auch hier in einer Vielzahl facettenreicher Weisen dargestellt werden. All die Themen lassen sich in ihrer vielfältigen Darbietungsform gar nicht Einzeln wiedergeben, daher nur stichpunktartig ein thematischer Querschnitt: Abacua, Überlagerungen mit 3er-, 6er- und 4er-Rhythmen, 3/2-Überlagerungen mit Bassdrums, balinesische und westafrikanische Cowbell-Melo-Grooves, indische Thematik, afrokubanischer Teil mit Guaguanco- und Songo-Variationen sowie Batucada-Interpretation. Wie man sieht, gibt's mal wieder viel Stoff, dicht gepackte Information, und das alles ist unterhaltend dargestellt, aufmunternde und gleichsam seriös. Auf detaillierte Analysen der gespielten Pattern, Grooves, Fill-Ins und Solo-Tunes hat JFC diesmal allerdings weitgehend verzichtet, da die meisten der hier gezeigten technischen Themen bereits auf den Vorgängervideos (Art of Solodrumming I, II, III, Drummer's Request, Mysterious Drumming) sehr ausführlich abgehandelt wurden. Den Abschluss bildet eine schöne und vor allem groovig gelungene Batucada Interpretation. Trotz eines sehr hohen Niveaus allen gezeigten Materials bietet "Quintessence" Unterhaltung aus einem ungeheuer reichen Pool an Ideen und Inspiration. Man bekommt Lust aufs Schlagzeugspielen!

Tom Schäfer
Sticks 1/2000
 

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